Menschenfischer

Tobias Goldkamp unter Allgemein am 18. Juli 2010

Die Morgensonne brennt. Die Fischer säubern ihre leeren Netze. Aus ihren müden Augen spricht Enttäuschung und Resignation. Jetzt kommt jemand und sagt ihnen, sie sollen noch einmal hinaus fahren, zu einer bestimmten Stelle des Sees. „Was soll das? Wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen.“

Mit dem Sonnenaufgang werden die oberen Wasserschichten erwärmt. Die Fische tauchen zum kühleren Seegrund ab, unerreichbar. Trotzdem probieren die Fischer es nochmal. Tatsächlich klappt es, wider Erwarten: Die Netze sind so voll mit Fischen, dass sie fast reißen. Die Boote sind mit dem Super-Fang überladen und gehen beinahe unter.

Der Tippgeber war Jesus (Lukas 5, 1-11). Er überzeugt die Fischer nicht mit schönen Worten, sondern mit einer Tat. Sie werden seine ersten Jünger. Durch den einmaligen Fischfang werden sie nicht reich. Aber sie sehen die Welt mit anderen Augen.

Jesus ruft Menschen nicht mit Geboten, sondern mit Geschenken. Merke ich eigentlich, was mir in meinem Leben geschenkt ist? Wie kann ich dem guten Beispiel folgen und selbst etwas Wertvolles von mir verschenken? Zeit und Aufmerksamkeit kann ich verschenken! Im Himmel, schrieb einst Leo Tolstoi, bezahlt man nicht mit dem, was man verdient hat, sondern mit dem, was man verschenkt hat.

Veröffentlicht im Stadt-Kurier am 18.07.2010

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