Durch Niederlagen zum Erfolg
Tobias Goldkamp unter Allgemein am 27. Juni 2010Es ist ein kühler Frühlingsmorgen im März 1981. Der Stürmer ist enttäuscht über eine verkorkste Bundesligasaison. Meistens musste er auf die Bank, bei nur vier Spielen kam er zum Einsatz. Ein Tor schoss er nicht. Doch er gibt die Hoffnung nicht auf, wechselt von Verein zu Verein, kehrt schließlich zu seinem ersten Profiverein, dem SC Freiburg, zurück. Dort stellen sich endlich die ersehnten Tore ein – 81 davon schießt er bis zum Ende seiner Profikarriere und ist damit bis heute Rekordhalter der Breisgauer. Dieser Spieler heißt Joachim Löw, genannt Jogi.
Rückschläge und Niederlagen wegstecken, “immer wieder aufstehen”, wie Oliver Kahn sagt, das ist die wahre Kunst. Manchmal haben sie in der Rückschau einen besonderen Sinn. Wir lernen und werden stärker. Deshalb ist es wichtig, an Menschen festzuhalten, die schwere Zeiten durchleben. Joachim Löw hat sich dieses Prinzip als Bundestrainer zu Eigen gemacht. Besonders dafür verdient er Respekt und menschliche Anerkennung.
Jesus hat sich immer für die Gescheiterten interessiert und gerade ihnen in der Bergpredigt das Himmelreich zugesagt. Nachdem er von den Soldaten gefangen genommen wurde und seiner Kreuzigung entgegen sah, behauptet sein Jünger Petrus aus Feigheit, ihn nicht zu kennen. Später erkennt und bereut Petrus seinen Verrat. Jesus gibt ihm eine zweite Chance, ruft ihn in die Verantwortung, schenkt ausgerechnet ihm, dem zuvor Wankelmütigen, das Vertrauen, die junge Kirche zu leiten: “Du bist Petrus und auf diesem Felsen werde ich meine Kirche bauen!” (Mt 16, 18)
Diese Kolumne ist am 27.06.2010 im Stadt Kurier Neuss erschienen.
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